Geschichte der Solarenergie 1975 bis 2008

Geschichte der Solarenergie 1975 – 2006

1975 scheint ein Schlüsseljahr für die Solartechnik (Photovoltaik, Fotovoltaik, Voltaik) zu sein, denn in den USA werden kurz nacheinander drei Unternehmen gegründet, die sich im Laufe der Jahre ausgesprochen stark für den Einsatz von PV-Systemen engagieren: die Solec International durch Ishaq Shahryar, die Solar Technology International durch Bill Yerkes (später von Atlantic Ritchfield übernommen) und die Solar Power Corporation durch den Ölmulti Exxon. In China findet in diesem Jahr der erste nationale Solarkongreß des Landes statt, und in Italien konstruiert Prof. Franciain Sant’Illario mit 120 Spiegeln einen Solarkessel, der 500°C erreicht.

1977 ist der Solarofen von Odeillo die erste solartechnische Anlage, deren Strom in das öffentliche Netz gespeist wird (nominell 56 kW). In den USA werden die ersten modernen thermischen Solaranlagen installiert und ein Peter E. Glasser schlägt vor, 100 Quadratkilometer große Solarzellen-Satelliten in den geostationären Orbit zu bringen, deren Energie dann in Form von Radiowellen zur Erde gesendet werden sollen. Ein einziger derartiger Satellit könnte 10 GW Strom liefern.

Am 5. Juli 1977 beginnt die offizielle Arbeit des Solar Energy Research Institute in Golden, Colorado, USA. Und Gräfin Stella Andrassy führt bei dem Festival America’s Appetite (For Energy) das solare Kochen vor. Ein Jahr später veröffentlichen Dan und Beth Halacy das erste Solar Cookery Book.

Solarfeuerzeug

Solarfeuerzeug

1977 findet in Hamburg die erste wirklich große Tagung und Ausstellung zur Nutzung von Sonnenenergie statt. Im Rahmen des 1. Deutschen Sonnenforum bieten 150 Fachvorträge und die parallele Fachausstellung Solartechnik 77 ein sehr breites Bild der solartechnischen Anwendungsmöglichkeiten, angefangen vom einfachen Sonnenfeuerzeugen aus verspiegeltem Plastik (die es inzwischen in modernisierter Form gibt) – bis hin zu multilateralen Gesamtkonzepten wie die Errichtung riesiger Wüstenkraftwerke in Nordafrika (die es leider auch 2006 noch immer nicht gibt), deren Sekundärenergie in Form von Wasserstoff gespeichert, durch Pipelines transportiert, und anschließend beim Endverbraucher in Europa mittels Brennstoffelementen wieder zu elektrischer Energie re-transformiert wird.

Die bereits 1977 vom Weißen Hauses bestellte thermische Solaranlage wird 1979 endlich auf dem Westflügel installiert, zur großen Freude von Präsidenten Jimmy Carter. Die 34 Kollektoren decken 75 % des Warmwasserbedarfs im Weißen Haus.

Ich selbst beginne zwar schon 1973 – im Zuge der sogenannten Ölkrise – damit, mich mit Alternativenergien zu beschäftigen, doch erst ab 1977 bereite ich in Syrien dann auch die Umsetzung der theoretischen Erkenntnisse vor – und 1980 bauen mein Team und ich in Damaskus die erste einer großen Zahl thermischer Solaranlagen, die im familiären Ingenieurbüro entwickelt worden sind.

Ich werde später noch einiges über die hierbei gemachten Erfahrungen berichten…

Am 3. Mai 1978 zelebrieren weltweit rund 25 Mio. Menschen den ersten internationalen ‚Welttag der Sonne’ (SUN DAY) (dieser Termin ist übrigens auch der ‚Welttag der Pressefreiheit’ – sonnenklar!).

In diesem Jahr installiert die Telecom Australia im Auftrag der Regierung die ersten 13 solarbetriebenen Funkverstärker für Telefon und Fernsehen – die selbst unter den harten Klimabedingungen des outback so gut funktionieren, daß man gleich noch 70 weitere errichtet.

1979 baut ARCO Solar in Camarillo, Kalifornien, die weltgrößte Herstellungslinie für Solarzellen. Das Unternehmen ist das erste, das einen Jahresausstoß von 1 MW erreicht. Anfang 1980 wird dann die erste große PV-Anlage errichtet – beim Natural Bridges National Monument in Utah. Die 3 Mio. US-$ teure Anlage besteht aus exakt 266.029 Solarzellen, die in 12 Reihen montiert sind und 100 kW Leistung erbringen, die Dienstwohnungen, Werkstätten eine Abwasseranlage und ein Besucherzentrum mit Strom versorgen.

In Israel sind seit 1980 solare Warmwassersysteme für alle neuen Wohnhäuser bis zu neun Stockwerken vorgeschrieben – ab 1985 wird das Gesetz auf überhaupt alle großen Wohnhäuser erweitert. In den USA dagegen werden unter Präsident Ronald Reagan die nationalen Solarprogramme fast völlig zurückgefahren.

1981 fliegt das erste solarzellenbetriebene Flugzeug – die Solar Challenger von Paul MacCready. Das Flugzeug überquert den englischen Kanal in fünf Stunden, wobei es ausschließlich von vier 3 PS Elektromotoren angetrieben wird. Über dieses und andere elektrisch betriebene Fahr- und Flugzeuge spreche ich ausführlich unter Elektrischer Mobilität – bzw. unter Elektro- und Solarflugzeuge. Und im saudiarabischen Jeddah geht mit 8 kW Leistung die erste solarbetriebene Meerwasserentsalzungsanlage nach dem Reverse-Osmosis-Prinzip (RO) in Betrieb.

Im gleichen Jahr erfolgt die Gründung des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme in Freiburg (später das größte Solarforschungsinstitut Europas).

Im April 1982 wird in der Nähe des kalifornischen Daggett das erste kommerzielle solarthermische Großkraftwerk in Betrieb genommen, es besitzt 1.900 computergesteuerte Spiegel, die ihr Licht auf einen zentralen Boiler richten. Ebenfalls in diesem Jahr erscheint im Juni die Nr. 1 des Fachmagazins Photovoltaics – The Solar Electric Magazine, und in Tucson erfolgt das erste öffentliche ‚Solarkochen’, das ab diesem Zeitpunkt dort jeden Mai im Catalina Park stattfindet.

Solarfeuerzeug

Solarfeuerzeug

Etwa um diese Zeit erscheint ein weiteres Solarfeuerzeug auf dem Markt, von dem ich diverse kaufe und verschenke – bei einem Preis von 5 DM ist das ja auch leicht machbar. Danach verschwindet das geniale Teil leider aus dem Angebot. Der Solar Sprak Lighter taucht erst lange Zeit später wiederin einigen Online-Versandkatalogen auf – 2005 u einem Preis von 9,95 $ der sich bis 2007 auf 12,95 $ steigert (?).

Die erste Nummer des Magazins Photovoltaics International erscheint im April 1983. In Deutschland erfolgt die Errichtung des ersten Solarkraftwerks auf der Insel Pellworm mit 300 kW Leistung. Um diese Zeit versorgen sich bereits die Hälfte aller Haushalte auf Tahiti mit Solarstrom. Mehr ländliche Kenyaner nutzen Sonnenstrom als den Strom des staatlichen Netzes. Und mindestens 100.000 Familien in Mexiko, Mittelamerika und Westindien betreiben inzwischen schon ihr Licht sowie ihre Rundfunk- und Fernsehempfänger mit Solarstrom.

Der ‚Solar Trek’, ein Elektrowagen mit einem 1 kW Solarpanel, durchfährt im Jahr 1983 Australien. Für die 4.000 km braucht er weniger als 20 Tage, die erreichte Höchstgeschwindigkeit betrug 72 km/h.

Und 1985 durchbricht das Team um Martin Green an der University of New South Wales, Australien, beim Solarzellenwirkungsgrad die Grenze von 20 % (Ausführlichere Beschreibungen der einzelnen Entwicklungslinien finden sich nachfolgend unter den verschiedenen technologischen Umsetzungen).

Im April 1986 erschüttert die Tschernobyl-Katastrophe das Vertrauen in die Kernenergie, und sowohl Umweltverbände als auch Alternativenergie-Gruppen erhalten starken Zulauf. ARCO Solar stellt im Juni mit dem ‚G 4000’ das weltweit erste kommerzielle Dünnschicht-Zellen-Modul vor.

1987 findet in Australien mit dem Pentax World Solar Challenge das erste Solarmobil-Rennen quer durch den Inselkontinent statt, das später zuerst alle drei, und dann alle zwei Jahre wiederholt wird. Es geht über 2.100 km. Gewinner wird der von der kalifornischen Firma AeroVironment entwickelte und gebaute ‚GM Sunraycer’.

Ansonsten scheint es Mitte der 80er Jahre mit der Sonneneuphorie vorbei zu sein, es werden kaum neue Entwicklungen gemacht, auch von besonderen Umsetzungen hört man nicht mehr viel.

Zehn Jahre nach dem 1. Deutschen Sonnenforum, wird auf dem wiederum in Hamburg stattfindenden Weltkongreß zur Solarenergie im September 1987 allerdings festgestellt, daß selbst mit dem aktuellen Stand der Technik – nach immerhin mehr als 100 Jahren entsprechender Forschungsleistungen (!) – die Sonnenenergie in sehr viel größerem Umfang einsetzbar wäre, als dies tatsächlich geschieht. Der Kongreß wird zwar von 16.000 Teilnehmern (!) aus 85 Ländern besucht, denn fast alle Länder der Welt beschäftigen sich inzwischen mehr oder minder intensiv mit der Solarenergie, doch die tatsächliche Verbreitung der Technologie wird immer noch von gegensätzlichen Interessen wirtschaftlicher Natur gehemmt.

Einen rein technischen Grund für das Zögern gibt es nicht mehr, denn mittels Solarzellen werden bereits Radios und Uhren, Taschenrechner und Taschenlampen, Modell­flugzeuge und Telefonzellen, Seefunkbaken und Flugfunkfeuer, Leuchtbojen und Luftmessstationen, Ventilatoren und Kaffeemaschinen, Beleuchtungssysteme und sogar Autos betrieben. Es gibt sogar solarbetriebene Geigerzähler und sonnenstromversorgte Holzsägen für Waldarbeiter. In Australien nutzen Fernseh­- und Funktelefonstationen die Sonnenenergie, in Japan sind es Ampeln, in Amerika ganze Flughäfen, und in Saudi-Arabien Verkehrs-Hinweisschilder in der Wüste, die mit der tagsüber gespeicherten Solarenergie nachts beleuchtet werden. 1983 startet die EG fünfzehn Solar-Pilotprojekte, und 1987 wird zum ersten mal sogar eine Öl-Bohrplattform mit solar erzeugtem Strom versorgt (das Satha Ölfeld der UDECO im Arabischen Golf). Doch trotz alledem leben alleine im Gebiet der Europäischen Gemeinschaft 1989 noch rund 1,2 Millionen Menschen in abgelegenen Häusern ohne Strom.

Solarkocher in Syrien

Solarkocher (Syrien)

Was zu Beginn Künstler inspirierte (Beispiel: die TUNIX-Maschinen von Charles und seiner Frau Ray Eames, 1957), uralte Träume wiedererweckte (Beispiel: Solarflugzeug Solar Challenger von Paul MacCready, 1981) und sogar in 3. Welt-Ländern Anlaß zu Innovationen gab (Beispiel: der Umbau  von Satellitenschüsseln zu Parabol-Solarkochern durch den syrischen Ingenieur Maan Kaadan, ab 1996), ist inzwischen zu einem derartig umfangreichen Geschäft mit Sonnenkollektoren und Solarzellen geworden, daß weltweit verteilt Institutionen (in den USA z.B. die NASA, in Deutschland die Stiftung Warentest, der TÜV Bayern, usw.) spezielle Sonnen-Simulatoren herstellen mußten, um anhand von Tests verbindliche Standards für die Lebensdauer und die Leistung der angebotenen Systeme festzulegen. Damit sollte der Angebotsflut auf dem Markt zumindest eine erste oberflächliche Ordnung gegeben werden.

Und noch wesentlich schneller und umfangreicher als die ‚Hardware’ verbreitet sich die ‚Software der Sonnenenergie’: So drängeln sich Ausstellungen, Messen, Kongresse und Tagungen, wetteifern Vereine, Initiativen, Unionen und Gesellschaften, berichten Akademiker, Institute, Symposien und Arbeitsgemeinschaften, und es werden Zeitschriften, Studien, Bücher und Arbeitshefte en masse veröffentlicht. Es finden mehr und mehr Seminare, Vorlesungen, Workshops und Foren statt, und es gibt Aufkleber zur Meinungsäußerung, Lichtdruckrotoren als Anschauungsmodelle, offizielle Sonnentage zum Feiern und sogar schon in den sonnenreichen Ländern der 3. Welt aufkeimendes öffentliches Interesse. Ein großer Schritt – wurde die Sonne doch in den meisten dieser Länder von jeher mehr als Feind denn als Freund betrachtet!

Und doch es sieht so als, als wolle (oder solle?) die Menschheit erst ihre gesamten fossilen Energievorräte – natürlich kostenpflichtig – verbrennen und vergeuden, bevor es zu einem tatsächlichen Umschwenken kommt. Aber dann wäre es zu spät, und wir säßen vermutlich bis zum ‚St. Nimmerleinstag’ auf dem Grund unseres Gravitationsschachtes fest. Ich gebe hier gerne zu, daß ich den Standpunkt vertrete, daß die fossilen Energien im übertragenen Sinne nur den Zweck haben, die Menschheit aus eben diesem Schacht in den Orbit zu katapultieren, um auf anderen Planeten und im All neue Lebensräume zu schaffen. Dieser ‚Absprungpunkt’ ist genau unsere heutige Zeit – und wir sind auch quantitativ genug Menschen für einen derartigen Schritt… wenn wir nicht zu lange zögern.

Doch nur zur Klage besteht auch kein Anlaß – denn die Arbeit im Bereich der erneuerbaren Energien geht ja kontinuierlich weiter, und so auch bei der Sonnenenergie. Hier noch einige Highlights der vergangenen Jahre:

1991/1992 dreht der Oberhausener Filmregisseur Hellmuth Costard einen surrealistisch und dadaistisch inspirierten Spielfilm Aufstand der Dinge: Vier junge Leute aus der ehemaligen DDR wollen trotz widriger Umstände etwas Sinnvolles mit ihrem Leben anfangen und nehmen den Bau eines umweltfreundlichen Sonnenkraftwerks in Angriff. Tatsächlich versuchte Costard dies auch praktisch in Namibia umzusetzen – wo die für die Sun-Machine benötigten Spiegelflächen einfach aus den leeren Alu-Dosen vom Müll hergestellt werden sollten. Und auch die letzte Produktion Costards, der erst 60-jährig leider schon 2000 gestorben ist, Vladimir Günstig – eine trojanische Affäre (oder Wladimir – eine Filmgroteske, der Film wurde erst 2004 fertig gestellt) beschäftigt sich mit dem selben Thema: Costard spielt selbst die Doppelrolle von Wladimir, einen russischen Agenten, der verhindern möchte, dass eine neue Solartechnik in die falschen Hände gerät, und die von Hellmuth, dem Zufallsforscher und Entwickler eben dieser Solartechnik. Auch dieser Film dokumentiert die Idee, mit der sich Costard im letzten Jahrzehnt beschäftigt hat: Sonnenstrahlen zur Energiegewinnung zu bündeln.

1992 behauptet China, daß dort bereits 100.000 Solarkocher in Aktion sind, die von der Henan Academy of Sciences entwickelt worden sind. Ebenfalls 1992 verkünden Wissenschaftler des Medizinisch-Elektronischen Instituts der Universität Tokio, daß sie mit Hilfe gebündelter Sonnenstrahlen, die durch Glasfasern geleitet werden, bei der Behandlung von Krebsgeschwulsten die gleichen Erfolge erzielen wie mit der wesentlich teureren Laser-Technologie. Die selbe Methode wird dann 1999 – abermals als Neuheit – von der israelischen Ben-Gurion-Universität in Beersheba vermeldet.

1993 werde ich von dem ehemaligen Ökobank-Gründer Dieter Reincke und dem McKinsey-Mitarbeiter Boris Schubert damit beauftragt, ein Konsortium für eine Stiftungsgründung unter dem Namen SOLAR SYSTEMS zusammen zu bekommen. Die Idee dieser Stiftung wird in dem folgenden Auszug klar:

„Im Laufe der letzten zwanzig Jahren gab es im Bereich der erneuerbaren Energien und der Energieeinsparung zwar technologische Fortschritte und Durchbrüche, aber die entsprechenden Finanzierungskonzepte wurden nicht weiterentwickelt oder angepaßt.

Diesem Manko will die Stiftung i.Gr. SOLAR SYSTEMS mit Sitz in Berlin abhelfen. Durch die Kombination des solartechnischen und finanztechnischen Sachverstands wurden spezielle Finanzierungskonzepte entwickelt.

Im Kern soll das Stiftungskapital als Bürgschaftskapital bereitgestellt werden, um damit die Vergabe von zinsgünstigen Krediten zu ermöglichen und so die Wirtschaftlichkeit der Projekte zu erhöhen.

Ziel ist es, die Grundfinanzierung von Projekten der Erneuerbaren Energien und der Energieeinsparung schnell und unbürokratisch zu sichern, sofern ein ausreichender Return On Investment erzielt werden kann.“

Obwohl es gelingt, ein hochkarätiges Kuratorium für die Stiftung zu gewinnen, zu denen der ‚bekannteste Ingenieur Deutschlands’ (Pressezitat), Ludwig Bölkow, der Präsident der International Solar Energy Society und Leiter des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme, Adolf Goetzberger, der Finanz- und Währungsexperte Wilhelm Hankel, der Leiter des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt, Energie GmbH, Ernst-Ulrich von Weizsäcker, der Umweltminister des Saarlandes, Jo Leinen, der Chefkoordinator der Vereinten Nationen für Alternative Energien Ahmedou Ould Abdallah sowie der entsprechende Ressortleiter der Weltbank, Mohan Munasinghe aus Washington gehörte, klappt es jedoch nicht, das notwendige Gründungskapital von 10 Mio. DM zu akquirieren.

1994 findet auf Hawaii die Erste Weltkonferenz über Photovoltaik – und in Costa Rica die Weltkonferenz über Solarkocher statt. Gleichzeitig beendet Indien die Subvention von Solarkochern, um die Verbraucher wieder zum Kerosine- und Flüssiggasverbrauch zu animieren. Und die Weltbank gründet eine Solar-Initiative, da sie die Nutzung Erneuerbarer Energien in ihrer Arbeit stärker einbeziehen will. Das Motto des Hauses lautet – für mich völlig unverständlich: „An Geld fehlt es nicht, aber an Visionen“ (!)

Ebenfalls 1994 behauptet die Presse, daß inzwischen schon jeder 3. Haushalt Jordaniens sein Wasser mit Sonnenenergie aufheizt. Aus eigener Anschauung weiß ich, daß diese Zahl mindestens um den Faktor 10 zu hoch ist – und bei einem späteren Besuch 2004 in Jordanien mußte ich sogar feststellen, daß die meisten dieser Anlagen inzwischen in einem äußerst bemitleidenswerten Zustand sind (Glasbruch, dicke Sand- oder Staubschichten, verrottete Isolierungen usw.).

Mehrere Aktivisten, darunter auch der Fernsehjournalist Franz Alt, fordern ab 1994 die Berücksichtung der Solarenergie bei den Planungen für Berlin, damit sich die Stadt als erste Solare Hauptstadt der Welt profilieren kann. In Indien werden dagegen die Subventionen für den Kauf von Solarkochern gestrichen – um den Verbrauch von Kerosin und Flüssiggas anzukurbeln.

Olympische Solar-Flamme

 

Die UNO ruft 1995 eine Weltdekade der Solarenergie aus. Und seit neuestem stehen aus dem von der Weltbank verwalteten Global Environmental Fonds auch günstige Kredite für Kraftwerke auf der Basis erneuerbarer Energien zur Verfügung.

1996 wird das Olympische Feuer für Atlanta auf dem Olymp erstmals mit einem kleinen Solar-Parabolspiegel entfacht. In Atlanta selbst wird das Wasser der Wettbewerbsbecken mit Solarenergie erwärmt.

Die NASA informiert 1996 über ihre Pläne, eine solarbetriebene Rakete für den Einsatz im Weltall zu entwickeln. Dabei lenken zwei ausfaltbare Spiegel das gebündelte Sonnenlicht auf einen Wasserstofftank, der dadurch bis auf 2.300°C aufgeheizt wird. Mittels einfachster Düsentechnik wird dann der Vorschub erreicht. Etwas tiefer, dafür jedoch schon sehr erfolgreich, fliegt das Solarflugzeug Icare, das zu diesem Zeitpunkt als das weltweit fortgeschrittenste gilt. Auf seinen Flügeln befinden sich 3.000 hocheffiziente Solarzellen mit einer Gesamtfläche von 21 m2.

1997 wird der 20. Juni zum Tag der Sonne deklariert.

Der indonesische Präsident Suharto startet in diesem Jahr das Großprojekt, innerhalb von drei Jahren 36.400 photovoltaische Haushalts-Solarsysteme mit je 50 W auf seinem Inselreich zu installieren. In Indien findet die 3. Weltkonferenz zum solaren Kochen statt. Die ebenfalls 1997 gegründete Solar Century Initiative ist eine international ausgerichtete Aktion, zu deren Sponsoren der Gerling-Konzern, Greenpeace, die Lloyds TSB Bank, die Rockefeller Stiftung, die National Westminster Bank und das US-Forschungsinstitut NREL gehören. Das Ziel ist es, die Entwicklungs- und Absatzchancen der Photovoltaik auszubauen, wobei das Konzept aus drei Baussteinen besteht: Nachfrageverstärkung in den kaufkräftigen OECD-Ländern, Bereitstellung von Investitionskapital für Solarenergie-Unternehmen sowie Einsatz der erzielten Gewinne zum Aufbau einer solaren Infrastruktur in Entwicklungsländern.

In Deutschland werden 1997 Solarmodule mit einer Gesamtleistung von 13,7 MW installiert, was einem Marktwachstum von über 50 % entspricht. Die gesamte installierte Leistung beträgt damit zu diesem Zeitpunkt 40,3 MW. Weltweit steigt der Verkauf von Solarzellen um 40 %.

Im Juli 1998 findet in Wien die 2. Weltkonferenz über photovoltaische Sonnenenergieumwandlung statt. Und am 6. August erreicht das ferngesteuerte Solarflugzeug Pathfinder bei seinem 39. Flug vom kalifornischen Monrovia aus die Rekordhöhe von 80.000 Fuß. So hoch hatte es bislang noch kein einziges propellergetriebenes Flugzeug geschafft.

Anfang 1999 wird bekannt gegeben, daß weltweit derzeit Sonnenstromanlagen mit einer Gesamtleistung von einem Gigawatt installiert sind (zum Vergleich: am Tag des bislang höchsten Strombedarfs, dem 04.12.1997, wurden in der BRD 82 GW Kraftwerksleistung benötigt).

Seit 1999 gibt es in Brandenburg einen Solarkönig. Mit diesem Titel zeichnet der Fachverband Sanitär, Heizung, Klempner, Klima jenen ihrer 1.100 Mitgliedsbetriebe aus, der die größte Zahl thermischer Solaranlagen installiert hat. In diesem Jahr wird – als erster überhaupt – der Neuruppiner Wolfgang Schiemann zum 1. Brandenburger Solarkönig. Seit 1996 hat er 46 Solaranlagen mit einer Gesamtfläche von 257 m2 installiert. Ebenfalls 1999 erhält der Solaraktivist, Autor und MdB Hermann Scheer, Präsident von Eurosolar, den Alternativen Nobelpreis, nachdem er im Jahr zuvor schon den Weltsolarpreis erhalten hat. In seinem Buch Solare Weltwirtschaft belegt er, daß die offenen und verdeckten Subventionen der konventionellen Energieerzeugung und ihres Verbrauchs weltweit zwischen 300 Mrd. $ und 850 Mrd. $ betragen, was die Wettbewerbsfähigkeit der regenerativen Energie extrem stark sabotiert.

Bereits im Juni 1999 macht das erste Solarkaufhaus im Internet auf, wo es vom Spielzug bis zum Teichspringbrunnen alle möglichen Solarzellen-nutzenden Gerätschaften online zu bestellen gibt.

Im Juni 2000 ist der offizielle Baubeginn des Internationalen SolarCenter (ISC) am Stralauer Platz nahe dem Ostbahnhof in Berlin. Die alte Niles-Werkzeugmaschinenfabrik wird für insgesamt 75 Mio. DM zu einem modernen Gebäudekomplex umgebaut, in dem sich zukünftig 2.000 Menschen mit erneuerbaren Energien beschäftigen werden. Die spätere Umsetzung enttäuscht allerdings alle in das Projekt gesetzten Hoffnungen.

Auf der EXPO 2000 in Hannover wird u.a. auch das Projekt 21 Brücken in das Solarzeitalter präsentiert – das als eines der größten dezentralen Projekte in Berlin gilt.

Ende des Jahres einige sich die EU-Minister darauf, den Anteil der erneuerbaren Energien in Europa von einem Referenzwert von 13,9 % im Jahr 1997 auf 22 % im Jahr 2010 zu steigern. In Deutschland ist eine Steigerung von 4,5 % auf 12,5 % vorgesehen.

Im Juli 2002 installiert in Hausach, in der Nähe von Freiburg, die erste TOTAL Tankstelle eine Solarzellenanlage aus 60 Modulen mit einer Gesamtleistung von 100 W auf ihrem Dach. Gleichzeitig bekommt die Messe München die weltweit größte Photovoltaik-Aufdachanlage mit 1,058 MW Spitzenleistung. Und die bundeseigene KfW beginnt im Rahmen eines Darlehensvertrages über 15,8 Mio. € damit, in Südafrika rund 27.000 Haushalte mit PV-Anlagen auszurüsten, außerdem werden Schulen und Gesundheitsstationen mit Solarstrom versorgt. Und im Catalina Park findet das bereits 20. öffentliche Solarkochen statt.

Im Jahr 2003 schreibt die Zeitschrift Solarboulevard den Wettbewerb Wer hat die älteste Solaranlage? aus. Gewinner werden Herbert Rampfl (57) aus dem bayerischen Großkarolinenfeld und Heinz Schrader (76) aus Hessisch Oldendorf – die beide ihre Anlagen bereits 1973 im Eigenbau konstruiert hatten. Ebenfalls 2003 werden nun schon zum zehnten mal von EUROSOLAR und der KfW Förderbank die Europäischen Solarpreise vergeben – die diesmal u.a. an den TV-Wetterpapst Jörg Kachelmann und den Sun-Fuel-Erfinder Bodo Wolf gehen. Außerdem nimmt in diesem Jahr im hessischen Bensheim Europas erster Direktvertrieb für Solarstromanlagen mit eigenen Montage- und Serviceteams seinen Betrieb auf: Das Unternehmen globaccs ag will noch 2003 rund 2.000 PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 3,2 MW verkaufen und installieren.

Die US-amerikanische Tour de Sol öffnet sich 2003 auch für Fahrzeuge, die mit regenerativen, einheimischen Energien angetrieben werden, erstmals nehmen auch Fahrzeuge mit Biodiesel, Biogas, Wasserstoff etc. daran teil.

Im Januar 2004 beendet die Energy Equipment Testing Service (EETS) die Installation der ‚Solar Wall’ am Welsh Development Agency technology center in St. Asaph, North Wales. Diese Wand besteht aus 2.400 Stück CIS Dünnschicht-Solarmodulen von Shell Solar und hat eine Gesamtleistung von 85 kW. Ein Vorteil dieser von SolarMount entwickelten Bauweise ist die gute Rückbelüftung der Panele, welche ihre Betriebstemperatur senkt und damit ihre Effizienz steigert.

Ab 2004 finden in der Schweiz nach österreichischem Vorbild jeweils am 20. und 21. Mai Aktionstage zur Solarenergienutzung statt.

Mitte 2004 gibt die Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS) bekannt, daß bei einem erwarteten Wachstum von jährlich 30 % im Jahre 2010 etwa 100.000 Beschäftigte in dieser Branche arbeiten werden. Der Anteil der Sonnenenergie am Energieverbrauch werde sich auf 5 % – 10 % im Jahr 2020 ausweiten. Man rechnet damit, in diesem Jahr etwa 20.000 solare PV-Anlage zu installieren, womit sich die deutschlandweit erzielte Gesamtleistung auf rund 670 MW erhöhen wird.

Passend zum Solarkönig (s.o.) gibt es nun auch eine Sonnenkönigin in Deutschland. Mit diesem Ehrentitel wird Deutschlands effektivste Solarstromanlage bedacht – die in Brockel bei Rotenburg an der Wümme steht und der örtlichen Kirchengemeinde gehört.  Ihr Rekordergebnis im letzten Jahr: über 1.100 Kilowattstunden pro installiertem Kilowatt. Bundesumweltminister Jürgen Trittin zeichnet die Anlage am 6. Juni 2004 auf dem Umweltfestival in Berlin aus. Veranstaltet haben den Wettbewerb die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) und die GRÜNE LIGA Berlin.

Doch auch schlechte Neuigkeiten gibt es: In der Nacht vom 15. zum 16. Juni 2004 stehlen Unbekannte mehr als die Hälfte der Module einer Freiland-Solarstromanlage in Mirow. Es handelt sich um 30 Siemens-Module vom Typ SM 110, Baujahr 1999. Die Anlage war seit 2001 in Betrieb. Hans-Jürgen Lippe vom Solar-Zentrum Mirow: „Auf Grund der Professionalität deutet alles auf einen fachlich fundierten Auftragsraub hin.“

Im Sommer 2004 fördert die Projektagentur Zukunftsfähiges Berlin 13 „neue, innovative Projekte“ aus Lottomitteln. Im Treptower Park und im Schlesischen Park z.B. sollen Solarkocher aufgestellt werden. Ebenfalls gefördert wird ein Projekt, das Kindergartenkinder spielerisch – etwa durch ein solares Puppenhaus – an erneuerbare Energien heranführen will. Für mich liest sich das – in diesem ‚neuen Jahrtausend’ – wie der pure Hohn. Was bei den folgenden Meldung wohl auch manch amerikanischer früher Solaraktivist gedacht hat:

„Ich habe den Menschen in Kalifornien während meiner Wahlkampagne versprochen, mich als Gouverneur für die Sonnenenergie einzusetzen. Heute löse ich das Versprechen ein“, spricht Arnold Schwarzenegger am 28. Februar 2005. Bis 2018 sollen in Kalifornien Solarstromanlagen mit einer Leistung von 3.000 MW zur Stromversorgung beitragen. Um das Ziel zu erreichen, soll die Regulierungsbehörde einen Förderfonds einrichten. Außerdem will Schwarzenegger die Grenze, bis zu der Energieversorger Provisionen für Überschuß-Strom aus Photovoltaikanlagen zahlen müssen, von etwa 0,5 % auf 5 % der Spitzenlast erhöhen. Der aktuelle Gesetzesentwurf setzt auf sinkende, staatlich geförderte Preisnachlässe bei Solarstromanlagen. Allerdings dürften die Gelder nicht aus dem maroden Staatsbudget kommen. Statt dessen werden die kalifornischen Einwohner wohl eine Extra-Solar-Gebühr mit ihrer Stromrechnung zahlen müssen.

Solar-Rucksack

Die ‚estec’ in Freiburg findet 2005 zwar erst zum zweiten Mal statt, gilt aber trotzdem schon als weltweit bedeutendste Solarthermie-Konferenz. Zu den Sponsoren gehören unter anderem Aeroline, Armacell, Conergy, Gasokol, Greenonetec, Grundfos, Interpane, Schüco, Velux und Wilo. Und die bereits 1952 gegründete kalifornische Firma O’Neill zeigt Ende 2005 erstmals einen Rucksack mit integrierten Solarzellen an, der von den Outfittern alsbald für rund 200 € angeboten wird.

Es scheint allerdings, als sei die Firma aber von dem Stores-Versand reware.com überholt worden, die für 175 $ bereits seit Mitte 2005 einen Juice Bag in sechs Farben anbietet, dessen flexible Solarzellen einen Output von 6,3 W erreichen.

Am 23. Juni 2006 feiert das von Professor Adolf Goetzberger gegründete Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) sein 25-jähriges Bestehen. Wir erinnern uns: 1981 mußte Goetzberger erhebliche Widerstände überwinden, um ein solar-orientiertes Fraunhofer-Institut gründen zu können. Solartechnik wurde belächelt und galt nicht als industriefähig. Heute, 25 Jahre später, erzielt die Branche allein in Deutschland einen Umsatz von mehreren Milliarden Euro. Weitere aktuelle Details finden sich unter ‚Marktentwicklung’.

Solarjo-Handtasche von Hynek

Und damit die Kreativität nicht zu kurz kommt füge ich hier noch ein paar der aktuelle Umsetzungen der Solarenergie im künstlerischen Bereich hinzu:

Der Maschinenbau-Doktorand an der State University of Iowa Joe Hynek entwickelt Ende 2005 eine rechteckige Handtasche, deren Außenhülle – mit Solarzellen bestückt – elektronische Kleingeräte aufladen kann. Sein Stück nannte Hynek Solarjo Power Purse, die einzelnen Zellen sind durch weiße Linien getrennt. „Ich habe viel Arbeit investiert, um das technische Äußere so zu designen, daß die Tasche auch von Geschäftsfrauen getragen werden kann“, wird der Entwickler zitiert. Konzipiert ist die Solar-Tasche dafür, elektronische Kleingeräte wie iPod, Handy, Kamera oder Diktiergerät via USB-Stick aufzuladen. Die Materialkosten sind zwar aktuell noch beachtlich, jedoch hofft Hynek, die Solar-Handtasche für unter 300 Dollar verkaufen zu können.

Besonders ästhetisch und preiswürdig finde ich die 2006 vorgestellten Solar-Lampions von Damian O’Sullivan – da diese auch in ihrem Minimalismus und ihrer Ehrlichkeit bestechen. Statt nämlich die in diesem Fall 36 Solarzellen irgendwo im Deckel zu verstecken, wie es die meisten anderen Designer und Hersteller tun, bilden sie hier in multifunktionaler Weise gleichzeitig auch den Corpus der Solarlampe. Innen befinden sich der Akku sowie die LEDs.

DoCoMo Solarhandy

DoCoMo Solarhandy

Bereits seit Juli 2005 versucht das japanische Monopolunternehmen NTT DoCoMo mit seinem Solarhandy-Prototypen FLIP PHONE Interesse auf dem Markt zu wecken. Das Gerät besitzt rückseitig eingelassenen Solarzellen, die es immer wieder ‘von alleine’ aufladen.

Mitte 2006 zeigt auch das Fraunhofer Institut das Konzept eines dort entwickelten Solarhandys, doch beide Konzepte sind bislang noch nicht umgesetzt worden.

Das Helen Hamlyn Research Center for Inclusive Design erhält 2006 einen Preis für seine Innovation ‚The Sunlight Table’ – die zwischen der Natur und der Arbeitswelt vermitteln soll, indem die Tischplatte perforiert und mit Glasfasern ausgestattet wird, deren anderes Ende an der Außenseite des Bürogebäudes befestig wird. Dadurch reichen das Tageslicht, der Sonnenschein und die Schatten vorbeifliegender Vögel bis in die Arbeitsräume hinein.

Und Weltmarktführer Sharp wirbt für Produktion von Solarzellen, indem er am 14.09.2006 vor dem Kulturforum auf dem Matthäi-Kirchplatz in der Nähe des neuen Regierungsviertels einen Solarobelisk enthüllt, eine 5 m hohen, aus Edelstahl und Glas bestehende solarbetriebenen Multimedia-Skulptur. Entwickelt wurde der Solar-Obelisk durch die Berliner Solar Lifestyle GmbH in Zusammenarbeit mit dem Architekten Ingo Schneider.

Mein Freund Sepp Fiedler, Geschäftsführer der Solar Lifestyle GmbH, beschrieb den Bezg: „Im alten Ägypten stand ein Obelisk für die freundschaftliche Verbindung der Menschen mit dem Sonnengott. Heute soll er als Monument für einen verantwortungsbewussten Umgang mit den natürlichen Ressourcen unseres Planeten verstanden werden.“

Der mit vier semitransparenten Sharp-Dünnschicht Solarmodulen (je 37 W) bestückte Solar-Obelisk ist innen beleuchtet, hat einen Granitboden und ist von einer Sitzbank umgeben. Auf der Rückseite zeigt ein Display die aktuelle Einstrahlungsenergie an und informiert über den Standort und die Folgen des Klimawandels. Die Idee ist gut, die Umsetzung allerdings etwas schwach, denn mit mickrigen 5 m Höhe ist ein Obelisk einfach nicht zu schaffen. Zwischen markanten Gebäuden wie dem Museum, der Nationalgalerie und der Matthäikirche um ihn herum kommt er nicht zur Geltung.

Sehr nett ist auch der Song ‚Solarenergie’ der Berliner Gruppe Culture Candela, der in dieser Zeit manchmal im Radio kommt.

HTW Solarhandy

HTW Solarhandy

Im März 2007 folgt dann das 140 g schwere Solar-Phone S116 des chinesischen Herstellers Hi-Tech Wealth (HTW), daß für rund 390 € über den Online-Shop des Unternehmens erhältlich ist. Es handelt sich um ein Klapp-Handy, dessen Oberseite komplett mit Solarzellen bestückt ist. Im direkten Sonnenlicht reichen 40 min. Aufladezeit, um 20 – 25 min. telefonieren zu können. Ob und wann es auf den Markt kommen soll, ist noch nicht bekannt. Bis 2009 will die Firma 30 verschiedene solare Modelle anbieten.

Zu dieser Zeit präsentiert der Bademoden- und Dessoushersteller Triumph in Spanien auch den ersten kommerziellen Badeanzug mit integrierten Solarzellen, die bis zu 4 W liefern, um etwa Handys oder MP3-Player aufzuladen. Für die technische Umsetzung hat sich Triumph mit dem Solarhersteller Conergy zusammengetan (s.d.).

Nach mehrjähriger Entwicklungsarbeit bringt PowerGuy im Mai 2007, kurz vor dem G8 Gipfel in Heiligendamm, mit dem Solar-Charger SP1000 das erste netzunabhängige Solarladegerät für mobile Elektrokleingeräte auf den deutschen Markt.

Solar-Maus

Solar-Maus

Im August 2007 wird in Holland (endlich) die erste Computer-Funkmaus mit Solarzellen namens Sole Mio angeboten, da diese – eigentlich sehr bequemen Werkzeuge – zumeist dann leere Batterien haben, wenn es gerade besonders dringend ist.

Entwickelt wurde das Gerät im Rahmen des Syn-Energy-Programms der Netherlands Organisation for Scientific Research (NOW), bei dem die Universitäten von Twente und Utrecht, das ECN und die TU Delft eng zusammenarbeiten. Forscher gehen davon aus, daß eine breitere Nutzung autonomer Stromversorgungen mehrere 100 Millionen Batterien einsparen würde.

Ende 2007 kommt eine neue zusammenrollbare Solarzellen-Matte auf den Markt. Die Brunton SolarRoll 14 ist in der Lage ihrem Outputmaximum von 14 W sogar Laptops zu betreiben – wozu sie allerdings auf ihre Gesamtlänge von 1,5 m der Sonne ausgesetzt werden muß. Das Unternehmen aus Riverton, Wyoming, bietet drei verschiedene Größen an, daß hier beschriebene Modell kostet 480 $, kleinere gibt es ab 220 $.

Faltbarer Solar-Charger

Faltbarer Solar-Charger

Etwas billiger, aber natürlich nicht so hip, sind die faltbaren Solarkraftwerke, die es seit Mai des Jahres für knapp 100 $ gibt.

Bluetooth-GPS-Empfänger mit integrierten Solarzellen gibt es inzwischen auch von dem Anbieter HAMA – für Preise um die 120 € –, und im November 2007 verblüffen die Professoren Kunio Komiyama und Gerry Uswak von der Universität Saskatchewan die Fachwelt mit einer ‚solaren Zahnbürste’, die bereits von der japanischen Shiken co. hergestellt wird. Komiyama arbeitet bereits seit über 15 Jahren an dieser Entwicklung, welche zukünftig Zahnpasta absolet macht, weil das Titanium-Dioxid unterhalb der Nylon-Borsten – wenn feucht und mit Sonnenlicht beschienen – Elektronen freisetzt, welche mit der Säure im Mundraum reagieren und den Plaque ablösen.

Ende des Jahres werden auch die von Ross Lovegrove designten ‚Solarbäume’ bekannt, die bereits im Oktober eine Woche lang auf der Ringstraße in Wien installiert waren. Während des Tages speichern diese Strukturen genügend Energie, um ihre Umgebung damit nachts beleuchten zu können, wofür unterhalb der jeweils 36 Solarzellen pro ‚Blatt’ starke LEDs installiert sind. Hergestellt werden sie von der Firma Artemide, die Solarzellen selbst stammen von Sharp. In Europa ist das Interesse an derartigen Alternativen zwischenzeitlich gestiegen, nachdem man errechnet hatte, daß 2006 die Straßenbeleuchtung rund 10 % des gesamten europäischen Energieverbrauchs erfordert.

Solar Charger

Solar Charger

Anfang 2008 meldet der US-Handyhersteller Motorola ein spezielles LC-Display zum Patent an, hinter dem Solarzellen verbaut werden können. Damit sollen Handys und andere mobile Endgeräte in die Lage versetzt werden, sich mit Hilfe von Solarenergie selbst mit Strom versorgen. Den Motorola-Technikern ist es gelungen, die LCDs samt den integrierten Solarzellen derart effektiv zu gestalten, daß sogar der Akku komplett geladen werden kann. Damit werden Aufladegeräte überflüssig. Im Gegensatz zur Lichtdurchlässigkeit bisheriger Displays von 6 – 30 % Prozent konnte nun mittels cholesterischer Flüssigkristalle eine Durchlässigkeit von 75 % erreicht werden, was die beiden Komponenten Polarisator und Reflektor in den Displays überflüssig macht. Ob und wann das Solarhandy auf dem Markt erhältlich sein wird, steht noch nicht fest.

Für 160 € ist dagegen das CECT N528 erhältlich, das sich bereits als weltweit erstes Solar-Handy präsentiert und in der Schweiz bestellt werden kann.

Solio Magnesium Charger

Solio Magnesium

Und für Handys oder MP3-Player gibt es 2008 den Solar Charger mit eingebauter Li-Ionen Batterie für 30 $,

den Solar Mobile Phone Charger für nur 17 $, der geschlossen eher wie eine Puderdose aussieht,

oder den wesentlich höherwertigen Solio Magnesium für 200 $, dessen interner Akku Strom für ein ganzes Jahr speichern soll. Dieses Objekt läßt sich wie ein Klappmesser öffnen und bildet dann eine der Sonne zugewandte ‘Blüte’ aus Silizium und Magnesium – dem Gehäusemetall.

Der absolute Renner in diesem Jahr könnte wiederum der solar betriebene MP4 Player für 123 $ aus China werden, der außerdem Videos abspielt, als Game Boy und als Ladestation für andere Geräte genutzt werden kann. Der Hersteller China Vision hat außerdem noch einen 2 GB Speicher mit eingebaut.

Solartasche Logan Rückseite mit Solarzellen

Logan Rückseite

Neben diesen Umsetzungen scheinen sich zur Zeit am meisten die Hersteller von Rucksäcken, Taschen und Koffern mit der Integration von Solarzellen in ihre Produkte zu beschäftigen.

Ich werde im Folgenden einige Beispiele besonders schöner oder sinnvoller Designs vorstellen:

Da gibt es einmal die Umhängetasche Logan des Unternehmens Noon Solar aus Chicago, hergestellt aus bayerischem Rindsleder, die zu einem Preis von 412 $ angeboten wird (Solarzellen: 7,2 V/300 mA, Akku: 3,6 V/3.600 mAH).

Den Umweltgedanken noch weiter treibend tut der Voltaic Converter Solar Charging Bag, ein Solar-Rucksack des US-Versands voltaicsystems.com, dessen Material aus recycelten PET-Flaschen besteht.

Voltaic Charging Bag

Voltaic Charging Bag

Diesen Solarrucksack gibt es zu Preisen zwischen 180 und 220 $ (Solarzellen: 4 W, Akku: 4.400 mAh).

Wesentlich stärker ist der solare Aktenkoffer des gleichen Unternehmens für 599 $, mit dem man auch einen Laptop laden kann (Solarzellen: 14,7 W, Akku: unbekannt).

Die Solar Messenger Taschen von Eclipse Solar Gear in verschiedenen Farben und zu Preisen zwischen 130 und 270 $ (Solarzellen: 2,5 W, kein Akku).

Und es gibt auch Solar-Rucksäcke der taiwanesischen Firma Nanomar, die nur zwischen 68 und 98 $ kosten – allerdings ausschließlich bei gleichzeitiger Abnahme von 500 Stück… (Solarzellen: unbekannt, Akku: 3,7 V/4.400 mAh).

Solar betriebene
Gebetsmühle

Die verblüffendsten solar betriebenen Objekte, die ich in diesem Jahr gefunden habe, sind die mit Solarpaneelen ergänzte Gebetsmühlen des seit 1993 bestehenden nepalesischen Unternehmens Lotus Energy: „Die Lotus Solarenergie Gebetsmühle dreht sich durch die Strahlen der Sonne zur Verbreitung von Frieden und Harmonie in Ihrem Haus und in der Welt.“

Alles in Allem also sehr viele Ideen und Ansätze – und sogar eine beachtliche Menge erfolgreicher Umsetzungen, die zumeist individuellen Überzeugungstätern zu verdanken sind.

Doch wie sieht es eigentlich mit der Sonnenenergie-Förderung durch öffentliche Institutionen auf nationaler und internationaler Ebene aus?