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EEG-Novelle verheisst neue heisse Finanzquelle PDF Drucken E-Mail

EEG-Novelle verheißt neue heiße Finanzquelle

Geothermie: Gesetzentwurf sieht mehr Geld für Strom aus Erdwärme vor – 150 Projekte in Planung

VDI nachrichten, 30. November 2007

Für die Geothermiebranche stehen die Zeichen auf Wachstum – nun auch hierzulande. Laut Bundesumweltministerium sind in Deutschland rund 150 Projekte geplant-. Das Investitionsvolumen beträgt etwa 4 Mrd. €. Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wird laut Entwurf die Stromerzeugung aus Erdwärme stärker als bisher begünstigen. Höhere Einspeisevergütung und die Absicherung des Fündigkeitsrisikos dürften das Thema auch für Anleger interessant machen.

Der Bundestagsabgeordnete und Umweltobmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Josef Göppel, kündigt eine weitere Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Geothermie in Deutschland an: „Laut dem aktuellen Entwurf des Bundesumweltministeriums zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) soll die Grundvergütung für die Stromerzeugung aus Erdwärme steigen.“ Und zwar für Anlagen bis 10 MW Leistung von 14 oder 15 Cent je eingespeister Kilowattstunde (Cent/kWh) auf 16 Cent/kWh. Für Anlagen mit mehr als 10 MW Leistung sollen in Zukunft 10,5 Cent/kWh vergütet werden (bisher 7,16 Cent bzw. 8,95 Cent/kWh). „Und für die konsequente Wärmenutzung sowie neue Technologien, etwa das sogenannte Hot-dry-rock-Verfahren soll es Boni geben“, so Göppel weiter.“

Eine andere heiße Finanzquelle für die Geothermie in Deutschland könnte das Marktanreizprogramm für Erneuerbare Energien werden. Es wurde laut Göppel von 213 Mio. € auf 350 Mio. € aufgestockt. „Darin ist ein neuer Geothermie-Fonds enthalten, der das Fündigkeitsrisiko abdeckt. Das war bisher eines der Haupthemmnisse für weitere Kraftwerke“, erklärt Göppel. Denn die Bohrungen dauern lange, und sie sind teuer. In der Regel kostet eine Bohrung weit über 1 Mio. €. Im Idealfall stößt der Bohrer auf heißes Wasser, das in großer Menge nach oben zu fördern ist. Im schlechtesten Fall bleibt das Loch trocken oder das Wasser ist zu kühl, um es zur Stromerzeugung zu nutzen. Dann kann es allenfalls zum Heizen per Fernwärme dienen – doch das ist weit weniger lukrativ als die Stromproduktion.

Ist das Fündigkeitsrisiko abgesichert, können Investoren ihre Projekte anders kalkulieren, es würden sich erheblich schneller Finanziers für die Geothermienutzung finden lassen.

Je dramatischer die wissenschaftlichen Bewertungen des Klimawandels ausfallen, desto attraktiver erscheint die klimaschonende Geothermie: Sie beruht auf der Wärme der Erde und die ist, zumindest nach menschlichen Zeitmaßstäben, unerschöpflich. Jeden Tag strahlt der Boden unter unseren Füßen ein Mehrfaches der Energie in das Weltall ab, die die Menschen benötigen.

Die Techniken zur Erschließung dieser Energievorräte sind in den letzten Jahren verfeinert und perfektioniert worden. In Island ist die Geothermie bereits ein wichtiger Bestandteil der Energieerzeugung. In 30 Staaten sind laut der Geothermischen Vereinigung – Bundesverband Geothermie (GTV-BV) derzeit insgesamt mehr als 250 Erdwärmekraftwerke mit einer Gesamtleistung von mehr als 9 GW in Betrieb. „Das entspricht einer Leistung von circa sieben Atomkraftwerken“, sagt GTV-Geschäftsführer Werner Bußmann. Dazu komme weltweit noch einmal mehr als das Zwei- bis Dreifache an Wärme aus geothermischen Kraftwerken. In Deutschland bieten sich für die geothermische Energieerzeugung drei Regionen an: die norddeutsche Tiefebene, der Oberrheingraben und das süddeutsche Molassebecken.

Wer vom Erfolg der Branche über den Kauf von Aktien profitieren will, wird auf dem deutschen Kurszettel derzeit nicht fündig. Robert Hauser, der Leiter Nachhaltigkeitsresearch der Züricher Kantonalbank (ZKB), verweist auf börsennotierte US-amerikanische Unternehmen. „Am besten gefällt uns Ormat Technologies. Ormat entwickelt, baut und betreibt weltweit bereits geothermische Kraftwerke. Das Unternehmen hat viel Know-how und verdient mit der Technologie Geld“, so der ZKB-Experte. Er rät zur Vorsicht gegenüber kleineren börsennotierten US-Unternehmen, wie Nevada Geothermal oder Polaris Geothermal. Zwar könnten sie „positive Überraschungen bieten“, sie seien aber zu stark von einzelnen Projekten abhängig.

Kritisch beurteilt er auch die philippinische PNOC Energy Development. Hauser: „Mit einem Börsenwert von ca. 2,7 Mrd. Schweizer Franken und mehr als 1000 MW installierter geothermischer Leistung gehört PNOC zwar zu den größten Geothermie-Unternehmen weltweit. Zwei Probleme stellen sich aber dem Investor: Das Währungsrisiko und ein höheres Länderrisiko.“

Hauser zeigt sich vom zukünftigen Boom der Geothermie überzeugt. Das wichtigste Argument für die Branche sieht er in der sogenannten Grundlastfähigkeit: Die Kraftwerke können rund um die Uhr Strom liefern, unabhängig davon, ob der Wind weht oder die Sonne scheint. „Damit kann die Geothermie zur Versorgungssicherheit auch an mitteleuropäischen Standorten beitragen. Zudem ist die Technologie aus dem Bergbau und der Erdölgewinnung schon bekannt“, so Hauser.

Die technische Entwicklung bei der Geothermienutzung hebt Sven Olsson vom Stuttgarter Informationsdienstleister Axino hervor. Durch bessere Turbinen und intelligentere Nutzung der Ressourcen könne man heute 30 % bis 35 % mehr Energie aus Standorten gewinnen, die bereits seit Jahrzehnten bestehen, so Olsson. Als aussichtsreich sieht er das Unternehmen Western Geopower aus dem kanadischen Vancouver an. Es plant, auf dem seit 1960 genutzten Geothermiefeld „The Geysers“ bei San Francisco ein Kraftwerk mit mehr als 30 MW elektrischer Leistung zu bauen. Olsson: „Die Bohrungen sind genehmigt. Die isländischen Investoren Reykjavik Energy Invest, REI, Geysir Green Energy und Glitnir haben sich bei Western Geopower eingekauft. Sie bringen Expertise mit.“ Für Western-Geo-Aktionäre verbindet sich damit die Hoffnung, dass die Aktie alte Höhen erreicht: Letztmals 2004 kostete sie mehr als 1 €.

 

Von: Christoph Lützenkirchen

 
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